Übermorgen

Eine Zeitreise in unsere digitale Zukunft

Wearables −
Meine Skibrille ist
auch ein Fernsehgerät

«Du Opa, da habe ich noch etwas deinem Museum gefunden. War das eines dieser sagenumwobenen Handys? Was konnte man damit machen?», fragt Luca neugierig. «Luca, das war mein erstes Handy. Und erst noch eines von Nokia. Nokia war damals der Marktleader bei mobilen Telefongeräten», antwortet sein Grossvater. «Opa, was konnte man damit alles machen?», fragt Luca. «Ähm, man konnte damit telefonieren und Textnachrichten, sogenannte SMS, verschicken», meint sein Grossvater fast etwas verlegen. Luca: «Keine Apps? Nur telefonieren und Textnachrichten, habe ich wirklich richtig gehört, TEXT-Nachrichten? «Ja Luca, früher war halt vieles anders, wie du schon weisst. Damit hast du ja bestimmt genügend Inhalt für deinen Vortrag», antwortet ihm abermals sein Grossvater belustigt. «So komisch Opa, gut, leben wir im Jahr 2030 und nicht mehr um die Jahrtausendwende», meint Luca entrüstet.

Nokia-Handy (Bildquelle: Jörg Eugster)

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Wearables werden immer kleiner und unsichtbarer

Ein weiterer Trend geht in Richtung immer kleinerer und unsichtbarer Geräte, den sogenannten Wearables. Es gibt die unterschiedlichsten Devices (Geräte). Nicht alles macht aber auch Sinn, was auf den Markt kommt. Ob zum Beispiel die Einlagesohlen unbedingt eine Bluetooth-Verbindung zur App brauchen, um die Schritte zählen zu können, soll jeder selber beurteilen. Was aber keinen Nutzen generiert, wird wieder sang- und klanglos verschwinden.

Wearables oder wearable Computer sind tragbare Computer, die man am Körper oder in den Kleidern des Benutzers befestigen kann. Die hauptsächliche Tätigkeit des Benutzers ist nicht die Nutzung des Computers selbst, sondern eine unterstützte Tätigkeit in der realen Welt, wie zum Beispiel das Zählen von Schritten oder die Überwachung des eigenen Schlafs.

Erste solcher Wunderdinge der Miniaturisierung, noch keine Wearables aber, waren die ersten MP3-Player, wo man Hunderte Lieder speichern konnte. Apple hat mit dem iPod diese Geräte einfach nutzbar gemacht.

Später hat Apple mit dem iPhone einen weiteren Schritt in Richtung Miniaturisierung gemacht. Wer hätte sich das vorstellen können, dass wir in der Hosentasche einen ausgewachsenen Computer tragen werden. Der Computer in der Hosentasche hat heute die grössere Rechnerleistung als damals die besten Computer der Welt, die die Apollomission mit Mondlandung berechneten, steuerten und überwachten.

Generation HD

Das Smartphone hat aber − wie schon früher ausgeführt − eine neue Generation hervorgebracht, die Generation HD.

 

Generation HD (Bildquelle: Fotolia 121988775_XL)

Früher konnte man vorwiegend junge Leute zu dieser «Generation HD» zählen. Doch verhalten sich zunehmen auch ältere Semester mit Kopf nach unten, sobald sie ein Smartphone besitzen.

In einigen Jahren wird die Generation HD wieder der Vergangenheit angehören, denn dann werden wir keine Smartphones wie heute mehr haben. Darauf deuten viele Entwicklungen hin, die ich gleich anschliessend erklären werde.

Tracker

Tracker sind eine eigene Kategorie Kleinstcomputer, die man am Körper trägt. Es gibt Tracker, die messen die täglich gelaufenen Schritte oder wie gut und lange man geschlafen hat. Ich selber trage derzeit ein Fitbit Alta, in türkiser Farbe selbstverständlich, und messe vor allem meine täglichen Schritte. In einem Jahr habe ich 5,2 Millionen Schritte zurückgelegt, was einer durchschnittlichen Tagesleistung von über 14'000 Schritten entspricht. «Und was bringt das?», werden Sie jetzt sicher denken.

Mein Tracker ist mein täglicher Begleiter, mein Fitnesscenter sozusagen. So ein Tracker kostet je nach Ausführung um die 100 Euro, also kein Vermögen. Bei mir halten die Dinger ein bis zwei Jahre. Leute, die einen Schrittzähler tragen, bewegen sich nachweislich mehr als Leute ohne. Das belegen Studien. Ich kann das bei mir selber beobachten. Oftmals mache ich einen Umweg oder gehe deswegen nach draussen, um auf mein Tagesziel von 10'000 Schritten zu kommen. So bewege ich mich ständig.

Mit dem Tracker könnte ich noch viel mehr aufzeichnen. Zum Beispiel wie lange und wie gut oder unruhig ich geschlafen habe. Das mache ich auch ab und zu. Ebenso misst der Tracker den Kalorienverbrauch. Hier könnte ich auch erfassen, was ich gegessen habe. Dann würde mir der Tracker klar aufzeigen, wie meine Kalorienbilanz aussieht. Doch das tue ich nicht. Das muss jeder für sich entscheiden.

Für mich ist der Tracker ein wichtiger Begleiter, damit ich mich genügend bewege. Gerade meldet sich mein türkisfarbenes Fitbit mit dem Hinweis «Lust auf einige Schritte?», weil ich ja am Schreiben bin und im Moment keine Schritte mache. Trotz des Schreibens dieses Buches mache ich hier auf Gran Canaria ganz bewusst um die 15'000 Schritte, das alles dank meinem Tracker.

Selbstverständlich können Sie mit Sport-Trackern auch andere Sportarten «tracken». Wenn Sie lieber joggen, dann nichts wie los. Je nach Tracker zeigt es auf Google Maps die gelaufene Strecke an.

 

Wearables und Sport-Tracker (Bildquelle: Fotolia 122237657_L)

Smartwatch

Eine weitere Kategorie der Wearables kam in den letzten Jahren auf, die der Smartwatches. Bis dato haben diese Geräte den Durchbruch noch nicht schaffen können. Die Idee dahinter ist, dass man sein Smartphone in der Tasche lassen kann, während das Wichtige wie Anrufender, E-Mails oder Notifications, also Hinweise per Text, auf dem Bildschirm der Smartwatch angezeigt wird. Zusätzlich kann man diese fürs Ticketing nutzen. Im Weiteren kann man eine Antwort auf eine E-Mail oder SMS gleich in die Smartwatch diktieren, was schon ganz nützlich ist. Doch der Griff zum Smartphone, das man ja trotzdem noch mitführen muss, ist ja nicht viel weiter. 

Augmented-Reality-Brillen (Datenbrillen)

Google Glass

Obwohl Google selber sein 2013 auf den Markt gebrachtes Produkt Google Glass als Flop bezeichnet hat (https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Glass#cite_note-18), würde ich nicht so weit gehen. Mir geht es hier weniger um die Hard- und Software von Google Glass, sondern um das Konzept dahinter. Im Kapitel Augmented Reality komme ich nochmals darauf zurück.

Google Glass (Bildquelle: Jörg Eugster)

Google Glass ist ein Wearable, das vielleicht von einem anderen Anbieter eine Wiedergeburt erleben könnte. Google Glass war eigentlich ein Handy, das einfach wie eine Brille aussah; vorne rechts in der Brille der Bildschirm und beim Ohr der Lautsprecher.

Einige User haben Google Glass ständig getragen und so eine Abwehrhaltung der Umwelt geradezu provoziert. Solche Personen wurden in den USA als «Glassholes» bezeichnet, eine Wortkombination aus Glass und Asshole (wenn Sie den Begriff nicht kennen, bitte ich Sie, dies in Google Translate selber nachzuschlagen).

Zweifelsohne macht es wenig Sinn, ständig eine Datenbrille wie Google Glass zu tragen. Man sieht ja dann aus wie ein Cyborg, also eine Mischung aus Mensch und Roboter. Zudem denkt das Gegenüber, was der wohl jetzt zusätzlich im Internet sieht, die letzten Partybilder auf Facebook oder Instagram? Darunter leidet natürlich die soziale Akzeptanz.

Auch ist es gefährlich, eine solche Datenbrille beim Autofahren zu tragen, obwohl man das Navigationssystem von Google Maps einblenden kann. Wenn Sie als Fussgänger in einer fremden Stadt unterwegs sind, würde die Navigation mit Google Maps auf Google Glass wohl Sinn machen, denn dann ist es weit weniger gefährlich.

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Gedrucktes Buch / E-Book

Wenn Sie lieber ein gedrucktes Buch oder E-Book lesen, dann können Sie es beim midasverlag, im Buchhandel oder über die einschlägig bekannten Onlinehhändler bestellen.

Sinnvolle Anwendungen von Datenbrillen

Punktuell eingesetzt, machen solche Datenbrillen durchaus Sinn:

  • Sie kommen an der Rezeption eines chinesischen Hotels an. Der Réceptionist spricht weder deutsch noch englisch. Kein Problem, Sie ziehen Ihre Datenbrille an und beginnen zu sprechen. Alles, was der Réceptionist nun auf Chinesisch sagt, wird gleich übersetzt, weil ja die Datenbrille Zugriff auf Google Translate hat.
  • Ein findiger Gleitschirmpilot hat in der Schweiz eine App für den Einsatz mit Google Glass gebaut. Beim Gleitschirmfliegen ist das Gefährlichste nicht, dass Sie herunterfallen, sondern dass Sie in Hochspannungs- und andere Leitungen fliegen. Die App zeigt in der Brille (siehe Bild unten) wo die nächste Gefahr durch Leitungen besteht. Das macht auf jeden Fall Sinn, denn Sie können ja «da oben» nicht ständig das Smartphone zücken, um die Gefahr zu erkennen. Da macht eine Datenbrille wie Google Glass oder eine andere Datenbrille mit Augmented Reality sehr viel Sinn. Sie sehen im unten stehenden Bild, das, was der Gleitschirmpilot sieht. Den Beitrag des Schweizer Fernsehens können Sie gleich hier ansehen: http://www.srf.ch/wissen/digital/gleitschirmflieger-mit-google-glass-immer-im-bilde.

Augmented-Reality-Anwendung für Google Glass und Gleitschirmfliegen (Bildquelle: © Schweizer Radio und Fernsehen, Einstein vom 13.11.2014)

Die Skibrille als Datenbrille

Erinnern Sie sich noch an die Skibrille im Beispiel mit dem Unfall von Michael Schumacher etwas weiter oben? Hier hätte das Internet der Dinge mit einer Datenbrille dank Augmented Reality den Unfall unter Umständen verhindern können. Doch so weit ist diese Technologie noch nicht ganz. Es gibt aber bereits erste Ansätze in diese Richtung.

Der Skiverbund Ski amadé (www.skiamade.com) bietet eine Skibrille, die zusätzliche Informationen zum Skigebiet wie Liftanlagen oder Verpflegungsmöglichkeiten direkt über die Brille abrufbar macht.

 

Skibrille mit Augmented Reality von Ski amadé (Copyright © Ski amadé)

Die nächste Abbildung zeigt einen Blick durch die Datenskibrille von Ski amadé, mit der man nützliche Informationen abrufen und in der Brille anzeigen lassen kann.

 

Sicht durch eine Skibrille mit Augmented Reality (Copyright © Ski amadé, Screenshot/Bildquelle: http://www.skiamade.com/de/live-info/digital-ski-amade/datenskibrille)

Augmented Reality im Motorradhelm

Ein weiteres sinnvolles Beispiel hat leider nicht «überlebt». Skully baute einen Motorradhelm mit rückwärtiger Kamera und Head-up-Display. Der Fahrer sollte den Helm via Spracheingabe steuern. Obwohl ich kein Motorradfahrer bin, schien mir dieses Beispiel sehr sinnvoll. So kann der Motorradfahrer relevante Informationen, zum Beispiel die Navigation per Sprache während der Fahrt, abrufen.

Obwohl ich ja immer «predige», dass letztlich der Markt entscheide, bin ich ziemlich sicher, dass solche Entwicklungen später wieder zurückkommen werden. Vermutlich waren man mit diesem Produkt noch etwas zu früh. Das Timing ist eben auch sehr wichtig.

Blick durch die Kristallkugel

Wearables werden immer kleiner und unsichtbarer. Wir tragen diese immer unsichtbarer in Kleidern oder zum Beispiel einem Helm oder einer Datenbrille. Diese kleinen Helfer unterstützen uns im Alltag mit diversen Aufgaben. Und wenn wir sie dann sogar eines Tages implantieren werden, dann werden diese ganz unsichtbar. 

Auch wenn gewisse Entwicklungen wie z.B. Google Glass gestoppt und als Flop bezeichnet wurden, bin ich sehr überzeugt, dass die Entwicklung weitergeht. Es werden neue Produkte auf den Markt kommen. Alles, was einen Nutzen abwirft, wird am Markt Bestand haben, früher oder später.


Autor Jörg Eugster / Jörg Eugster G+