Übermorgen

Eine Zeitreise in unsere digitale Zukunft

Drohnen −
Runter kommen sie immer

«Du Opa, ich habe noch ein altes Bild von dir gefunden. Hat man Pizzas früher wirklich mit einem Roller ausgeliefert?», fragt Luca interessiert. «Ja, Luca, früher hat man Pizzas mit Autos, Rollern oder Fahrrädern ausgeliefert. Das war ganz normal», antwortet ihm Opa. «So komisch habt ihr gelebt, Opa? Heute im Jahr 2030 drucken wir entweder die Pizza direkt zu Hause mit dem 3D-Drucker oder lassen sie von einer Drohne liefern. Das ist doch viel schneller und die Pizza ist dann erst noch heiss, wenn sie aus dem Drucker oder per Drohne kommt», entgegnet Luca sichtlich entrüstet. «Luca, du weisst ja, früher war vieles anders als heute», antwortet ihm sein Grossvater abermals etwas belustigt.

Pizza-Lieferdienst (Bildquelle: Fotolia 70902950_L)

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Lieferdrohnen

Als Amazon vor zwei Jahren ankündigte, man werde künftig Pakete per Drohne ausliefern, hielten das viele für einen Marketinggag. Doch aus dem Gag ist Wirklichkeit geworden bzw. wir stehen kurz davor … wollte ich gerade schreiben. Doch ganz genau jetzt in dieser Minute erhalte ich die Meldung von einem Freund, dass heute, am 14. Dezember 2016, die erste Bestellung per Drohne in Grossbritannien ausgeliefert wurde.

Wie Sie sehen, ist ein Buch mit diesem Thema einfach zu schnell veraltet. Darum habe ich für dieses Projekt ja das «Social-Open-Book»-Konzept gewählt mit dem Prinzip «Online/Mobile First», wo dann das gedruckte Buch mit einiger zeitlicher Verzögerung hinterherhinkt.

Doch wieder zurück zu den Drohnen.

Im folgenden Demovideo von Amazon sehen Sie, wie die Auslieferung per Drohne erfolgt.

Bei der ersten Auslieferung von Amazon per Drohne bekam ein Mann in Cambridge (UK) einen «Fire-TV»-Videostreaming-Stick und eine Tüte Popcorn innerhalb von nur 13 Minuten nach Abgabe der Bestellung ausgeliefert. Das Ziel von Amazon sei es, gemäss Amazon-Chef Jeff Bezos, später Hunderte von Kunden so zu bedienen.

Oft sind es solche Visionen oder Konzepte, die auch andere Anbieter befruchten oder gar beflügeln. Die Schweizer Post führt schon seit 2015 Tests mit Drohnen durch und wird das erste kommerzielle Angebot 2017 starten. Das erste Drohnenprojekt der Schweizer Post zielt auf Firmenkunden. Diese können eine ständige Shuttle-Verbindung in der Luft zwischen zwei Standorten wählen.

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Gedrucktes Buch / E-Book

Wenn Sie lieber ein gedrucktes Buch oder E-Book lesen, dann können Sie es beim midasverlag, im Buchhandel oder über die einschlägig bekannten Onlinehhändler bestellen.

Drohnen bergen auch Gefahren

Drohnen bringen aber auch Gefahren mit sich, die man nicht vernachlässigen darf. Drohnen können zum Beispiel mit einer Bombe statt eines Pakets an Bord in ein voll besetztes Fussballstadion fliegen. Drohnen, die zu nahe an Flugrouten fliegen, können den Flugbetrieb beeinträchtigen. Dank Drohnen können Häftlingen unbewilligte Güter geliefert werden.

Drohnen können auch bei einem Skirennen herunterkommen, ganz nach dem Motto dieses Kapitels, «runter kommen sie immer. So geschehen bei einem Slalomlauf von Marcel Hirscher, der 2016 von einer herunterstürzenden Drohne fast getroffen worden wäre. Gut, fährt Marcel Hirscher so schnell Ski. Wäre er nur zwei Zehntelsekunden langsamer unterwegs gewesen, wäre er wohl getroffen worden.

Schauen Sie diese Szene bitte selber im nachstehenden Video an.

Gerade wegen solcher Vorkommnisse hat der Gesetzgeber Einschränkungen des Aktionsradius von Drohnen erlassen. Es gibt auch schon Abwehrdrohnen oder Abwehrsysteme gegen Drohnen. Gesetze nützen zum Beispiel bei Lieferungen in Gefängnisse wenig, denn diese «Kundschaft» hält sich ja weniger an Gesetze und Regeln als der Rest der Bevölkerung.

Fliegende Drohnentaxis?

Airbus, die Firma, die Flugzeuge baut, hat sich zum Ziel gesetzt, Drohnentaxis zu bauen. Nun hat Airbus auf dem Genfer Automobilsalon 2017 eine ungewöhnliche Mischung aus Auto, Drohne und Zug vorgestellt. PopUp, das Konzeptfahrzeug von Airbus und Italdesign, kann nebst Fahren und Fliegen auch mit Hyperloops kombiniert werden. Der Hyperloop ist eine Idee von Elon Musk, dem Gründer von Tesla, die auf dem Transrapid basiert. Es ist ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem, das Kapseln mit sehr hoher Geschwindigkeit auf Luftkissen durch eine Röhre im Vakuum befördern soll, ähnlich wie bei der Rohrpost. 

Erinnern Sie sich noch an die Mission von UBER? Genau, die Firma, die das Transportwesen weltweit revolutionieren will. Wäre ja schlecht vorstellbar, wenn die nicht auch ein Drohnentaxi auf den Markt bringen würden. Letztlich muss es nicht unbedingt eine Drohne sein, um den Luftraum zu erobern. UBER hat mit UberCHOPPER bereits seinen nächsten Service im Angebot (https://newsroom.uber.com/?s=chopper). Das ist ein Helikoptertaxi von UBER.

In Dubai will man schon im Juli 2017 selbstfliegende Taxidrohnen vom chinesischen Hersteller Ehang für den Personentransport einsetzen.

Taxidrohne «ehang184» von Ehang (Bildquelle: Ehang)

Taxidrohne «ehang184» über Dubai (Bildquelle: Ehang)

Innenraum der Taxidrohne «ehang184» (Bildquelle: Ehang)

Ich bin gespannt, welche Technologie sich hier durchsetzen wird, Drohnen- oder Helikoptertaxi oder die oben beschriebene Kombivariante PopUp von Airbus/Italdesign.

Blick durch die Kristallkugel

Drohnen werden bald zu unserem Leben wie Wasser und Strom gehören. Der Mensch möchte immer schneller beliefert werden, ob das Sinn macht oder nicht, bleibe dahingestellt. Die Lieferung eines Fire-TV-Sticks, wie das Beispiel von Amazon weiter oben zeigt, mag vielen vielleicht als verrückt erscheinen. Wenn aber ein Dorf wegen eines Unwetters oder Erdbebens von der Umwelt abgeschnitten ist, dann kann eine Lieferung von Esswaren, Wasser oder Medikamenten per Drohne zum Lebensretter werden. Und wenn Drohnen zum Beseitigen von Landminen eingesetzt werden, dann erkennen wir auch viele nützliche Dinge, die Drohnen übernehmen können, ohne den Menschen zu gefährden (http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Robotik/Mine-Kafon-Drone-Diese-Drohne-beseitigt-Landminen).

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass der Mensch alles sofort haben möchte, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Früher war ja schon die Lieferung am nächsten Tag eine Sensation. Doch – Hand aufs Herz – machen Sie sich deswegen heute noch Gedanken darüber?

Die Verstopfung der Strassen in den Innenstädten wird bestimmt auch die Herstellung von Drohnentaxis fördern. Doch glaube ich, dass diese eine Nische darstellen werden. Einerseits wird der Fahr- bzw. Flugpreis bestimmt nicht für jedermann erschwinglich sein, ähnlich wie bei einem Helikopter, und andererseits ist auch «da oben» nicht unbeschränkt Platz vorhanden.


Autor Jörg Eugster / Jörg Eugster G+