Übermorgen

Eine Zeitreise in unsere digitale Zukunft

Augmented Reality −
Wann erweitern Sie
Ihre Wirklichkeit?

«Du Opa, in deinem Bilderarchiv ist mir ein Bild ins Auge gesprungen. Da steht eine Frau mit einer Tafel vor einem Stadttor. Sieht ziemlich mittelalterlich aus. Was macht die Frau da?», fragt Luca etwas erstaunt. «Luca, das war vor vielen Jahren in San Gimignano. Das ist in der Toskana in Italien. Eine wunderschöne Stadt. Das war eine Fremdenführerin, die eine Stadtführung mit Gästen durchgeführt hat», antwortet Opa. «Stadtführung? Das machen wir heute im Jahr 2030 doch dann, wenn wir eine Information benötigen und bekommen sie unmittelbar aus der Cloud», bemerkt Luca. «Luca, das ist so. Heute gibt es keine Fremdenführer mehr, eben gerade, weil wir die Informationen überall in unserer Muttersprache abrufen können, und das in Bild, Bewegtbild und Ton, so wie wir es gerne hätten», gibt Opa zu.

Stadtführung 1.0 (Bildquelle: Jörg Eugster)

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Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, eine Datenbrille mit Augmented-Reality-Funktion aufzusetzen? Dann verstehen Sie genau, was ich meine. Google Glass, als Beispiel einer Augmented-Reality-Brille, ist ein Aufsatz, den Sie wie eine Brille tragen können. Sie sehen im Bild unten den kleinen Bildschirm über dem rechten Auge. Durch diese Linse sehen Sie die zusätzlichen, erweiterten Informationen. Ein Beispiel von Google Glass haben wir im vorhergehenden Kapitel der «Wearables − Meine Skibrille ist auch ein Fernsehgerät» gezeigt. 

Augmented Reality heisst erweiterte Realität. Man kürzt Augmented Reality übrigens mit AR ab.

Da man Augmented-Reality-Funktionen auch mit einer entsprechenden App realisieren kann und kein Wearable wie zum Beispiel eine Datenbrille braucht, habe ich diese beiden Themen in zwei unterschiedlichen Kapiteln untergebracht. Leichte Überschneidungen lassen sich leider nicht immer vermeiden.

Nachfolgend zeige ich Ihnen einige Beispiele, um das zu verdeutlichen.

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Gedrucktes Buch / E-Book

Wenn Sie lieber ein gedrucktes Buch oder E-Book lesen, dann können Sie es beim midasverlag, im Buchhandel oder über die einschlägig bekannten Onlinehhändler bestellen.

Erweiterung eines Printkataloges

IKEA bot zu ihrem gedruckten Katalog 2013 eine AR-App an. Hielt man das Smartphone oder das Tablet über den Katalog, wurden am Bildschirm zusätzliche dreidimensionale Bilder mit Zusatzinformationen gezeigt. Der Katalog ist ja bekanntlich zweidimensional und nicht multimedial. Genau diesen Nachteil kann man mit einer App ausgleichen. Im nachfolgenden Video können Sie eine solche App gleich in einem praktischen Beispiel betrachten.

Das Schilthorn, der bekannte Schweizer Aussichtsberg im Berner Oberland mit einzigartiger Aussicht aufs Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, bietet seinen Gästen ebenfalls eine AR-App an.

Wenn Sie schon einmal im Hochgebirge waren, dann wissen Sie, dass in den Bergen das Wetter sehr schnell umschlagen kann. So ist das meiner Frau und mir einmal genau auf dem Schilthorn passiert. Wir waren oben und fünf Minuten später haben wir wegen eines Unwetters überhaupt nichts mehr von der Berglandschaft gesehen.

Eine Funktion dieser App ist, dass sie die Aussicht bei schönstem Wetter jederzeit zeigt. Sie drehen sich – egal bei welchem Wetter – um Ihre eigene Achse und sehen das Panorama bei schönstem Wetter.

Wenn Sie die Namen der Berge erfahren wollen, zeigen Sie mit der App in Richtung des betreffenden Berges, klicken mit dem Finger auf den Berg und schon wird die gewünschte Information in der App angezeigt (siehe Abbildung unten).

AR-App der Schilthornbahn (Quelle: www.enluf.ch)

Im beruflichen Umfeld sehe ich ein grosses Potenzial für AR-Anwendungen. BMW hat schon 2007 ein solches Demovideo auf YouTube hochgeladen. Darin sieht man, wie die Zukunft im Servicebereich aussehen könnte. Ein Servicetechniker, mit einer AR-Brille ausgestattet, wird vom System Schritt für Schritt geleitet. Durch die Brille sieht er über die erweiterte Realität die Arbeitsanweisung und das zu verwendende Werkzeug. Schauen Sie am besten gleich das Video an. Leider weiss ich nicht, ob Augmented Reality bei BMW überhaupt noch eingesetzt wird, wie das im Video gezeigt wird.

Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass eine Unterstützung der Servicetechniker anderer Branchen mit Augmented Reality ebenfalls Sinn machen würde. Damit könnte man die Weiterbildung in der Industrie bestimmt vereinfachen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind:

Stadtführung mit einer AR-Brille

Man sieht durch die Brille Points of Interest (POI) und kann Informationen zu diesen POI abrufen.

Stadtführung 2.0 dank Augmented Reality (Bildquelle: Fotolia 126916625_XL)

Augmented Reality im Rohbau

Als Architekt möchten Sie den Bauherrn auf der Baustelle einen ersten Eindruck verschaffen. Sie setzen sich eine AR-Brille auf und sehen plötzlich durch die Brille Wände, die erst im Plan, aber im Rohbau noch gar nicht vorhanden sind. So kann man den Laien einen dreidimensionalen Eindruck des fertigen Bauobjekts viel besser näherbringen.

 

AR auf der Baustelle (Bildquelle: http://www.gosee.de/news/advertising/31445)

Einkaufen mit Augmented Reality

Eine weitere Möglichkeit, wie wir Augmented-Reality-Anwendungen nutzen können, wäre im Supermarkt.

Stellen Sie sich vor, Sie betreten mit einer aufgesetzten Datenbrille Ihren Supermarkt und werden persönlich über die App begrüsst: «Hallo Jörg, schön, dass du wieder bei uns bist.» Die Begrüssung können Sie selber bestimmen, ob Sie lieber geduzt oder gesiezt werden wollen. Der App ist Ihre Einkaufsliste schon bekannt. Dank Instore-Navigation müssen Sie Ihre Produkte nicht mehr finden, sondern werden gleich zu ihnen geführt. Instore-Navigation funktioniert wie ein Navigationsgerät auf der Strasse, hier einfach im Store, deshalb der Name Instore. Sie müssen keine Verkäuferin mehr fragen, wo dies oder jenes sich befindet. Wenn Sie Informationen zu einem Produkt benötigen, können Sie diese gleich abrufen.

Ist Ihnen auch schon passiert, dass Sie im Supermarkt standen und nicht mehr ganz genau wussten, welche Sorte Joghurt Sie mit nach Hause bringen sollen? Dank Handy konnten Sie kurz zu Hause anrufen. Mit der Datenbrille können Sie den Blick auf das Gestell mit den Joghurts für zu Hause freigeben. Zu Hause sehen sie dann genau dasselbe wie Sie.

Der Checkout-Prozess geht völlig ohne Kassiererin oder Kasse vonstatten. Da die Produkte bei der Platzierung in den Warenkorb bereits registriert wurden, ist ein Scannen der Produkte nicht mehr nötig. Allfällige Gutscheine werden direkt aus der Cloud abgebucht und beim Verlassen müssen Sie per Sprachbefehl nur die Freigabe des Betrages bestätigen. Fertig eingekauft.

Das gerade beschriebene Szenario können Sie im unten stehenden Demovideo von Google mitverfolgen, wie der Supermarkteinkauf in Zukunft stattfinden könnte. Sehr wahrscheinlich aber nicht mehr mit Google Glass, da diese ja von Google aus dem Verkehr gezogen wurde.

Trotzdem zeigt es die Möglichkeiten mit Augmented Reality eindrücklich. Ich bin überzeugt, dass ein solches Szenario irgendwann mit einer anderen AR-App möglich sein wird. Warten wir es doch einfach ab.

Bitte schauen Sie sich das Video mit Google Glass «The Future of Grocery Shopping» selber an.

Gehts noch einfacher? Ja, es geht. Dazu mehr im Kapitel «E-Commerce - quo vadis - Wie kaufen wir in Zukunft ein» und Amazon.

Blick durch die Kristallkugel

Augmented Reality bietet gerade im beruflichen Umfeld und der beruflichen Weiterbildung enormes Potenzial. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Umwelt immer mehr in ganz bestimmten Anwendungen durch eine Datenbrille betrachten können und dadurch eine sinnvolle und relevante Erweiterung zu sehen bekommen.

Dies wird situativ und nicht ständig erfolgen. Oder wollen Sie ständig mit einer Datenbrille herumlaufen und argwöhnisch betrachtet werden? Doch was, wenn man die Datenbrille nicht mehr sehen kann? Google und Novartis forschen an einer Linse, die den Zuckergehalt messen kann. Eine App meldet dem Träger der Linse, wenn er in eine Unterzuckerung hineinläuft, damit er diese rechtzeitig vermeiden kann. Das ist doch eine sinnvolle Anwendung, vor allem dann, wenn Sie selber Diabetiker sind.

Samsung arbeitet bereits an einer Kamera-Kontaktlinse, wie ich dem unten stehenden Bericht der Tageszeitung «20 Minuten» entnehmen konnte.

Kamera-Kontaktlinse von Samsung (Quelle: http://m.20min.ch/digital/dossier/samsung/story/17557494 / Bildquelle: Flickr/Niek Beck/CC BY 2.0)

Mit einer solchen Hardware der Kontakt-Kameralinse könnte das Szenario von Google Glass plötzlich eine Renaissance erleben, aber ohne Datenbrille, sondern mit einer Linse. Falls Sie nicht oder kaum erkennbar ist, dann können Sie sozusagen «inkognito» zusätzliche, erweiterte Informationen abrufen.

Auch wenn Sie das selber ablehnen, glauben Sie mir, es wird immer Leute geben, die so etwas als Erste mitmachen wollen. Diese Early Adaptors können einen solchen Trend wieder aufleben lassen.


Autor Jörg Eugster / Jörg Eugster G+