Übermorgen

Eine Zeitreise in unsere digitale Zukunft

3D-Drucker −
Wann drucken Sie
Ihr Essen selber?

«Du Opa, hat man früher wirklich zu Besuch einen Blumenstrauss mitgebracht?», fragt Luca seinen Grossvater. «Ja, Luca, das war in der Tat so. Der Blumenstrauss war für die Gastgeberin und dem Gastgeber hat man eine Flasche Wein gebracht.» − «Opa, das war aber sehr unpersönlich. Heute im Jahr 2030 machen wir uns zu den Gastgebern unsere Gedanken, entwerfen ein Geschenk, laden es aus der Cloud und personalisieren es. Dann drucken wir es auf dem 3D-Drucker aus.» − «Weisst du Luca, früher war vieles eben anders», meint Opa.

Blumenstrauss (Bildquelle: Jörg Eugster)

Inhalte auf dieser Seite

 

Vor ungefähr zehn Jahren habe ich das erste Mal von 3D-Druckern gehört. An einem Kongress behauptete ein Referent damals ernsthaft, man könne in Zukunft einmal sogar Häuser drucken. Ich hielt diese Aussage für völlig verrückt. Man kann Zeitungen drucken, aber doch nicht Häuser. Als Jahre später die ersten 3D-Drucker auf den Markt kamen, begann ich, die damalige Aussage zu verstehen.

Heute wissen wir es besser. Man kann heute schon vieles und morgen schon fast alles drucken. Ein 3D-Drucker ist ein Drucker mit einem additiven Verfahren. Er druckt Schicht um Schicht, bis man ein dreidimensionales Modell vor sich hat.

2014 konnten wir in der Schweiz über ein Referendum abstimmen. Es ging um eine milliardenschwere Investition von 22 neuen Kampfjets. Der Schweizerische Bundesrat (entspricht in Deutschland den Ministern) begründete die hohe Investition unter anderem auch mit der langen Lebensdauer der Flugzeuge. Man müsse dafür 30 Jahre lang Ersatzteile bereithalten. Unsere Landesregierung war sich damals nicht bewusst, dass man Ersatzteile nicht herstellen und lagern muss, sondern dass man diese bei Bedarf ausdrucken kann. Fachleute bestätigen, dass gedruckte Teile für die Flugzeugindustrie sogar widerstandsfähiger seien als herkömmlich hergestellte.

Können wir Gegenstände schon bald «beamen»?

Das wird einen grossen Einfluss auf die Logistikkette haben, wenn man Produkte vor Ort herstellen kann. Ein eindrückliches Beispiel verdeutlicht das: Als die Internationale Space Station (ISS) 2014 ein Werkzeug benötigte, hat man quasi die Baupläne per Datenübertragung «hochgebeamt» und vor Ort ausgedruckt.

Astronaut Barry Eugene «Butch» Wilmore benötigte dringend eine Ratsche, eine Art Schraubenzieher. Früher mussten die Astronauten Wochen oder Monate auf den gewünschten Gegenstand warten. Nicht so im Dezember 2014: Die NASA übermittelte die entsprechende Bauanleitung direkt ins All. Denn in der ISS steht seit Ende September 2014 ein 3D-Drucker. Das Werkzeug konnte in nur vier Stunden ausgedruckt werden.

ISS Commander Barry Eugene «Butch» Wilmore holds up the ratchet after removing it from the print tray. (Bildquelle: Photo courtesy of NASA, http://www.madeinspace.us/the-first-uplink-tool-made-in-space-is)

Wie weit weg sind wir vom «Beamen»? 

Wir können Gegenstände scannen und ausmessen, ein digitales 3D-Modell erstellen und dieses per E-Mail oder Download übermitteln. Am Bestimmungsort können wir eine Kopie direkt vor Ort erstellen. Selbstverständlich ist das noch nicht beamen, wie wir das von Star Trek kennen. Doch ist es ein möglicher erster Schritt dazu? Bei meinem Modell des Beamens müsste man sich allerdings die Frage erlauben, was man nach der Herstellung der Kopie mit dem Original machen soll.

Weitere Beispiele mit 3D-Druckern

Druck von Autos

Local Motors aus Phoenix, Arizona, USA, hat 2014 das erste voll funktionsfähige Auto aus dem 3D-Drucker hergestellt. Zuerst musste die Anzahl der Komponenten von 20'000 auf 40 reduziert werden. Der Herstellungsprozess der 40 Komponenten dauerte 44 Stunden. Die Montage der Komponenten dauerte nochmals zwei Tage.

Auto aus dem 3D-Drucker (Quelle: https://www.trendexplorer.com/go/en/car_from_3d_printer_has_just_40_components/video)

https://www.trendexplorer.com/go/en/car_from_3d_printer_has_just_40_components/video


Druck von Kleidern

Möglicherweise erscheint Ihnen das weniger relevant zu sein. Mag sein. Doch das folgende Video zeigt den Druck von Kleidern.
https://www.youtube.com/watch?v=MeRH_Lm8_1g. Auch dieses Video können Sie sich direkt auf der Seite online über https://goo.gl/X1KLPA ansehen.

Druck in der Medizin

Sehr viel sinnvoller ist es, wenn man Gegenstände individuell, auf die jeweilige Person abgestimmt, herstellen kann. Prothesen oder medizinische Hilfen lassen sich heute schon drucken, wie das unten stehende Video aufzeigt.

Druck von Häusern

Der Druck von Behausungen gewinnt in Zeiten der Flüchtlingskrise und Erdbeben, wo man in kurzer Zeit Notunterkünfte bereitstellen muss, eine neue Bedeutung.

In China wurde bereits 2014 gezeigt, wie man ein Haus in zehn Stunden drucken kann. Selbstverständlich sind diese Drucker viel grösser. Interessant ist, dass man Bauschutt als Ausgangsmaterial für den Bau der Häuser verwendet hat: https://www.youtube.com/watch?v=SObzNdyRTBs.

In Italien wurde ebenfalls 2014 ein 12 Meter hoher 3D-Drucker vorgestellt, der Häuser aus Erde und Stroh drucken kann.

Druck von Essen

Wenn Sie ein «Trekkie» sind, also ein Fan der Serie Star Trek oder Raumschiff Enterprise, dann erinnern Sie sich bestimmt an die Szenen, wo sich Besatzungsmitglieder das Essen aus einem Automaten besorgten. Sie drückten einige Tasten, wie wir heute bei einem Kaffeeautomaten, und wenige Sekunden später wurde das dampfende Menü ausgegeben. Wäre doch super, wenn wir das auch könnten! Sie werden staunen, denn das geht heute schon weitgehend.

Smooth Food – Gutes Essen aus dem Drucker

In einem Beitrag in der Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens wurde eine Alternative zu püriertem Essen in Seniorenheimen gezeigt. Traditionell wird das Essen für Personen mit Kau- und Schluckbeschwerden gekocht und püriert. Dank dem Einsatz eines 3D-Druckers lässt sich der Brei in eine appetitliche Form bringen.

Den Videobeitrag dazu finden Sie im nachstehenden Link: http://www.srf.ch/sendungen/einstein/energiewende-essen-aus-dem-drucker-cia-kamera-fuers-fernsehen. Der Beitrag ist teilweise auf Schweizerdeutsch. Am Schluss meinte der Moderator, dass er vermutlich dereinst im Altersheim nicht mehr das Essen bestellen würde, sondern das «Gut zum Druck» erteilen würde. Bestimmt wird er recht bekommen.

Essen (Smooth Food) aus dem 3D-Drucker (Bildquelle: © Schweizer Radio und Fernsehen, Einstein vom 15.1.2015)

Pizza aus dem 3D-Drucker

An der CES (International Consumer Electronics Show) 2015 in Las Vegas zeigten zwei Amerikaner, wie sie eine Pizza im 3D-Drucker gedruckt haben.

$alt

Gedrucktes Buch / E-Book

Wenn Sie lieber ein gedrucktes Buch oder E-Book lesen, dann können Sie es beim midasverlag, im Buchhandel oder über die einschlägig bekannten Onlinehhändler bestellen.

Barilla druckt Pasta

Barilla stellte 2016 den ersten offiziellen Protoypen ihres Pasta-3D-Druckers auf der CIBUS 2016 vor, einer Fachmesse der Nahrungsmittelbranche. Zwei Jahre zuvor hatte Barilla den Pasta-Designwettbewerb «PrintEat» lanciert.

          Und wann drucken Sie Ihr erstes Essen?

Blick durch die Kristallkugel

Wir werden viele Gegenstände drucken und nicht mehr klassisch herstellen, sondern dann, wenn wir sie brauchen, also «on demand». Das hat einen grossen Einfluss auf die Wertschöpfungskette. Die Logistikkette kann auf den Kopf gestellt werden, wenn Produkte direkt am Bestimmungsort oder schon während der Fahrt ausgedruckt werden können.

3D-Druck während der Lieferung

Amazon hat 2015 dazu ein Patent mit folgendem Beschrieb eingereicht: «Providing Services Related to Item Delivery via 3D Manufacturing On Demand.» Amazon möchte also einen 3D-Drucker in einem Lastwagen zum Kunden fahren lassen, wo schon während der Fahrt der bestellte Gegenstand ausgedruckt wird. Darauf fährt der Lastwagen zum nächsten Empfänger, wo schon die nächste Bestellung wiederum während der Fahrt ausgedruckt wird.

Drucken von menschlichen Organen

Nach Science-Fiction tönt es, wenn wir von «Organ Printing» hören, also dass man menschliche Organe drucken kann. Dieser Tage las ich, dass man Ohren und menschliche Haut drucken kann (http://www.theverge.com/2016/2/15/10995730/3d-print-human-tissue-ear-muscles-bone). Gerade bei Verbrennungsunfällen sicher eine sinnvolle Anwendung.

Was heute noch utopisch scheint, wird in wenigen Jahren Normalität sein.


Autor Jörg Eugster / Jörg Eugster G+